Die Malediven

Einen schönen Eindruck von den Malediven bekommt man bereits beim Anflug auf den Male International Airport auf der Insel Hulule. Beim Blick aus dem Flugzeug sind viele der Inseln des Nord Male Atolls zu sehen.

Die Malediven bestehen aus 19 Atollen und 1195 Inseln, wovon nur 202 bewohnt sind. Die Landfläche beträgt nur 298 qkm, die Wasserfläche jedoch 107.500 qkm.

Über die Entstehung von Atollen gibt es verschiedene Theorien, sicher ist jedoch das Kalkstein, der die Grundlage der Inseln bildet, von Korallenpolypen hergestellt wird. Berge oder Flüsse sucht man auf den Malediven vergeblich, die Inseln liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel.

Die Bevölkerung

Die Bevölkerung der 202 bewohnten Inseln der Malediven liegt bei ca. 215 000 Einwohner, wovon ca. 70 000 Malediver in der Hauptstadt Male wohnen. Die zweitgrößte Einwohnerzahl befindet sich auf der Insel Hitadu im südlichen Seenu Atoll mit ca. 7000 Einwohner. Im Durchschnitt leben auf den Inseln 200 bis 300 Einwohner in einer Dorfgemeinschaft zusammen. Der Name des Dorfes und der Inselname sind identisch, wobei es für die Malediver selber die Bezeichnung „Dorf“ im Wortschatz nicht vorkommt, sondern nur die bewohnte Inseln = ra. Für die Besiedlung einer Insel ist das Süßwasservorkommen maßgeblich.

Aufgrund der verbesserten Gesundheitsvorsorge in den letzten Jahren, ist die ehemals hohe Sterberate gesunken, und die Malediven gehören heute zu den geburtenstärksten Ländern der Erde.

Das Leben auf den Inseln abseits von Male ist recht einförmig. Es besteht kaum Kontakt zwischen den Bewohnern der einzelnen Inseln, die oftmals weit voneinander entfernt in verschiedenen Atollen liegen. Jede Insel besteht immer nur aus einem Dorf. Der Alltag auf den Inseln wird vom Fischfang geprägt. Die Männer sind oft sehr lange Zeit unterwegs, um zu ihren Fischfanggebieten zu segeln und den Fang dann anschließend in Male auf dem Markt zu verkaufen, deshalb trifft man bei dem Besuch einer Insel vorwiegend Frauen an.

Die Unterkünfte sind oft einfache Hütten, die aus Korallenstein gebaut und mit Palmblättern oder Wellblech gedeckt sind. Die Malediver werden durchschnittlich nur 50 bis 60 Jahre. Die äußere Erscheinung der Malediver erscheint aber oftmals jünger, so läßt sich das Alter nur schwer einschätzen. Heirat und die Gründung einer Familie erfolgen bei einem Malediver recht früh. Die Durchschnittsfamilie besteht aus 7 Personen, wobei die Kinder als Altersvorsorge dienen, da eine soziale Absicherung fehlt.Der Islam erlaubt den Malediver mit vier Frauen gleichzeitig eine Ehe einzugehen, was aber derzeit kaum noch praktiziert wird, da oftmals das Einkommen nicht reicht. Eine Scheidung ist für den Mann sehr einfach, er braucht nur dreimal sagen: „Ich verstoße dich!“ Die Frau dagegen muß fundierte Gründe vorweisen können. Dies führt zu einer der höchsten Scheidungsraten weltweit.

Tier und Pflanzenwelt

Die Tier und Pflanzenwelt der Malediven auf dem Land ist recht einförmig. Trotz der ca. 250 verschiedenen Pflanzenarten die auf den Malediven wachsen, ist das Bild der meisten Inseln doch von den Kokospalmen und Scaevolabüschen geprägt. Nur auf wenigen Inseln wurden richtige Palmenplantagen angelegt, ansonsten wachsen sie wild. Trotzdem werden auch diese Palmen intensiv genutzt und jede hat ihren Besitzer. Der Wert einer Insel wird auch heute noch oftmals an der Anzahl der Kokospalmen bemessen. Auf den bewohnten Inseln findet man häufig Nutzpflanzen, wie Brotfrucht,Papaya und Bananen, sowie weitere Feldfrüchte.

Das Tierleben auf den Malediven ist wie auf den meisten ozeanischen Inseln nicht sehr artenreich. Die meisten Tiere sind wahrscheinlich von Indien über die Lakkadiven auf die Malediven gekommen. Es gab früher nur zwei Landsäugetiere auf den Malediven, die beide zur Gattung der Fledertiere gehören .Von diesen bekommt man den Indischen Flughund am häufigsten zu sehen. Andere Säugetiere wie Mäuse oder Ratten sind erst später über Schiffe auf die Malediven gelangt.

Von den Tieren wird man sicherlich den sehr nützlichen Gecko zu sehen bekommen, sowie die um einiges größere Schönechse. Es gibt zwei bisher bekannte Schlangenarten auf den Malediven: Eine Abart der gewöhnlichen Blindschlange und die Wolfzahnnatter – beide Arten sind für den Menschen ungefährlich.

Zu den Amphibien auf den Malediven gehören die große Schwarznabenkröte und eine kurzköpfige Froschart.

Die Welt der auf den Malediven lebenden Insekten und Spinnenarten ist nahezu unerforscht. Bekannt ist eine kleine Scorpionart mit einem Stachel und ein großer Hundertfüßer. Der Nashornkäfer ist auf den Kokosplantagen zu finden und richtet dort teilweise erheblichen Schaden an. An Fluginsekten sind ca 67 Arten an Schmetterlingen bekannt und die sehr oft anzutreffende Papierwespe, sowie natürlich unzählige Moskitos.

Auf den Malediven leben 113 Vogelarten, wovon die Seevögel den größten Anteil haben. Ein häufig anzutreffender Inselbewohner ist der Indische Hausrabe, sowie der Koel, der zur Kuckucksfamilie gehört. Zu den Papageien gehört der Kleine Alexandersittich, der auch der einzige Vertreter seiner Familie ist. Der Haussperling wurde vor ca. 10 Jahren auf den Malediven eingeführt und lebt nur auf Male. Eine ganze Reihe Zugvögel macht auf den Malediven halt, darunter auch Greifvögel wie Falke und Bussard. Häufig sieht man an der Küste oder an den Riffen Reiher, wobei der Graureiher von den 13 Arten am häufigsten anzutreffen ist. Den Mangrovenreiher und den Schopfreiher sieht man dagegen seltener. Auf den Inseln brüten häufig Seemöven und Seeschwalben. Eine seltene Art ist die Feenseeschwalbe, die nur im südlichen Seenu-Atoll zu finden ist.

Das Wetter

Auch wenn die Malediven durch Ihre tropische Lage ein recht konstantes Wetter haben, gibt es zumindest theoretisch und statistisch Unterschiede in den einzelnen Monaten ( siehe auch die untere Übersichtskarte).

Hier nun die Theorie zum Wetter

Das Wetter auf den Malediven wird von zwei Monsunwinden bestimmt. Der von ca. Mai bis  Oktober wehende Südwestmonsun bringt mehr Niederschläge als der von ca. Januar bis April wehende trockene Nordostmonsun. Die Dauer und Intensität der beider Monsunwinde kann stark schwanken. In den Monaten wo der Wind dreht, kann es sehr schwül und drückend werden.

Wie sieht die „Regenzeit“ aus?

Die Zeit zwischen Mai und Oktober gilt wegen des höheren Niederschlags als „Regenzeit“ und Reisen werden deshalb meist billiger angeboten. Der Niederschlag fällt jedoch i.d.R. nicht wie wir es kennen den ganzen Tag über, vielmehr ist folgender Ablauf üblich: Der Tag beginnt sonnig, gegen Nachmittag ziehen Wolken auf und am späten Nachmittag oder Abend regnet es heftig.

Der Wind weht zu dieser Jahreszeit auch etwas stärker, die Gefahr von tropischen Stürmen ist auf den Malediven jedoch sehr gering. Der Wind weht meist zwischen drei und vier Windstärken. Die Sicht unter Wasser kann hier auch schlechter sein.

Bedenken sollte man, dass sich das Wetter nicht immer an diese „Regeln“ hält und nicht nur in den einzelnen Monaten kann es zu ganz unüblichen Wetterlagen kommen, sondern selbst zwischen den einzelnen Atollen kann es zu signifikanten Unterschieden kommen. Ebenso wenig wie man hier vorhersagen kann, ob es in 4 Monaten in Ort XY regnet, gilt dies auch für die Malediven.

Die Geschichte der Malediven

Mit großer Wahrscheinlichkeit waren Singhalesen (aus Gujerat) die ersten Siedler auf den südlichen Atollen der Malediven. Der Dialekt der hier heute noch gesprochen wird erinnert stark an Singhalesisch. Auch einige Gebräuche und buddhistische Funde bei Ausgrabungen deuten darauf hin. Auch in der westlichen Welt müssen die Malediven schon bekannt gewesen sein, denn der Geograph Claudius Ptolemäus beschreibt in seinen Aufzeichnungen Inseln, die auf die Malediven deuten. Sein Wissen hatte er von Aufzeichnungen der Phönizier, die mit ihren Handelsschiffen in den indischen Ozean vorgestoßen waren und vermutlich dort auf die Malediven gestoßen sind. Später sind auch Araber hier auf ihren Weg nach Ceylon häufig an den Riffen gestrandet und haben sich auf den Inseln niedergelassen. Konkretere Angaben fand man von Geographen aus dem 11. und 12. Jahrhundert, die von wunderschönen unabhängigen Inseln berichteten auf denen mit Kaurischnecken und Kokosseilen gehandelt wird. Die erste ausführliche Beschreibung stammt von Ibn Batuta der von 1343 anderthalb Jahre auf den Malediven verbrachte und die Malediver als rechtschaffene, fromme Moslems.

Die Malediver gehören seit 1153 dem islamischen Glauben an, dies ist auch der Zeitpunkt, an dem die Geschichte schriftlich festgehalten wurde. Ab diesem Datum wurde auch die Chronik der islamischen Sultane geführt, die mit Mohammed Ibn Abdullah beginnt und 1968 mit Mohammed Fareed-ul-Avval endet.

Im 14 Jahrhundert wurden die Malediven von der ersten Sultanin Khadeeja Rehendi Kabaidhi Kilege regiert. Sie regierte mit Unterbrechungen insgesamt 35 Jahre. Obwohl die Malediven fromme Moslems waren, gab es doch einige landesüblichen Bräuche, die bei den arabischen Moslems auf großes Entsetzen gestoßen sind. Die Frauen der Malediven haben nie ein Gesichtstuch getragen und waren teilweise nur mit einem Hüfttuch bekleidet. Auch die im Islam schon recht freizügigen Heiratssitten waren auf den Malediven noch wesentlich unkomplizierter, was sich bis heute kaum geändert hat. Dies gilt jedoch nur für Moslems, für Christen sind die Frauen der Malediven bis heute Tabu.

Obwohl die Malediven als gastfreundliches Land bekannt waren, konnten Schiffbrüchige kaum auf große Hilfe hoffen, denn nach maledivischem Recht fällt ein gestrandetes Schiff in ihren Besitz. Deshalb wurde meist solange gewartet, bis das Schiff auf ein Riff gespült wurde.

Anfang des 16. Jahrhunderts erreichten die Portugiesen den indischen Ozean und besetzten zuerst Südindien und Ceylon. 1558 bat der beim Volk sehr unbeliebte Hassan der Neunte die Portugiesen um Hilfe gegen aufständische Malediver, dies war die Gelegenheit für die Portugiesen unter Führung von Andreas Andre, Male und die anderen Atolle zu besetzen. Sie zerstörten alle Moscheen und bauten dafür Kirchen um die Malediver zum christlichen Glauben zu bekehren. Die Portugiesen stießen hierbei jedoch auf eisernen Widerstand. Die Malediver starteten unter Führung von Mohammed Thakrufaan einen Guerillakrieg mit Unterstützung der Malabaren. 1573 hat er es dann geschafft die Portugiesen zu vertreiben und wurde daraufhin zum Sultan gewählt. Er ist einer der großen Volkshelden in der Geschichte der Malediven.

Auch die Sultane nach ihm hatten noch des öfteren Angriffe der Portugiesen abzuwehren. Besonders erfolgreich war dabei Sultan Ibrahim Iskander (1648-1687), der auch die Freitagsmoschee Hukuru Miskiy bauen ließ und die erste Schule gründete.

Im 17. Jahrhundert lösten die Holländer die Portugiesen auf Ceylon ab und da diese mehr am Handel, als an Eroberungen interessiert waren, unterhielten sie mit den Malediven ein loses Tributverhältnis. Im Jahre 1802 übernahmen die Engländer Ceylon und machten sich als erste unter der Leitung von Kapitän Moresby im Jahre 1834 daran, die Malediven kartografisch zu erfassen. Seine Aufzeichnungen dienen auch heute noch als Grundlage für englische Seekarten. 1883 besuchte der britische Verwaltungsbeamte H.C.P. Bell die Malediven und erstellte die ausführlichsten bisher existierenden Monographien.

Im Jahre 1887 schlossen die Engländer mit den Malediven einen Protektoratsvertrag in dem sich die Malediven verpflichteten kein Abkommen mit anderen Ländern zu schließen und als Gegenleistung für den Schutz durch die Engländer einen Tribut an England zu zahlen. Während des 2. Weltkriegs eröffneten die Engländer auf Gan einen Luftwaffenstützpunkt. 1965 erhielten die Malediven die völlige Unabhängigkeit und der bis 1976 gepachtete Luftwaffenstützpunkt auf Gan wurde aufgelöst und ist heute eine Touristeninsel.

Ab 1932 begann auf den Malediven der Demokratisierungprozess. Der damalige Sultan Shamsuddin III. wandelte das absolute Sultanat in ein konstitutionelles um. A. 1.1.53 wurde die erste Republik unter der Präsidentschaft von Amin Didi gegründet. Er hätte auch Sultan werden können, wollte aber den Malediven zu einer moderneren Staatsform verhelfen. Er hatte viele Reformen in das Land gebracht. Durch ihn kam Strom nach Male, Schulen wurden ausgebaut und er nahm Veränderungen an den Häusern und auf den Inseln zur Malariaprophylaxe vor. Der Versuch den Landsleuten das Rauchen abzugewöhnen blieb jedoch ohne Erfolg. Seine Reformen brachte ihm nicht nur Freunde und nach nur 9 Monaten im Amt wurde er in Male erschossen und wurde auf Kurumba Village beerdigt.

Nach seinem Tod kam wieder ein Sultan an die Macht, Mohammed Fareed (1954-1968). Unter seiner Herrschaft gab es einen Putsch der beiden südlichen Atolle unter Führung von Afif Didi. Der Grund war, daß Male dem Vorhaben der Engländer ihren Stützpunkt auf Gan weiter auszubauen nur schleppend folgte. Die südl. Atolle versprachen sich von den Engländern Arbeit und gutes Einkommen und schlossen deshalb einen separaten Vertrag mit den Engländer, der 4 Jahre bestand hatte. 1963 entschieden sich die Engländer wieder mit Male zusammenzuarbeiten, was für die südlichen Atolle eine Niederlage war. Afif Didi flüchtete auf die Seychellen.

Am 11.11 1968 wurde erneut die Republik unter Führung von Ibrahim Nasir ausgerufen. Nach zehn Jahren übernahm Maumoon Abdul Gayoom das Präsidentenamt, seine Amtszeit geht bis 1998. Er ließ die Große Freitagsmoschee und das Islamischen Zentrum bauen.

Quelle: www.malediven.net